Sprengstoffsuche im Heizkraftwerk – Diensthundestaffel West probt bei den Fernwärmestadtwerken den Ernstfall

Veröffentlicht: 24.10.2012

Gotha. Lautes Dröhnen schlug den beiden Spürhunden „Kassy“ und  Zenter am vergangenen Mittwoch entgegen. Doch keine Spur von Angst oder Unsicherheit – die beiden routinierten Hunde der Diensthundestaffel West machten sich an die Arbeit und fanden die ausgelegten Köder binnen kürzester Zeit. „Lärm, schwierige Bodenverhältnisse oder Gittertreppen dürfen einen Spürhund nicht aus dem Gleichgewicht bringen“, erklärt Polizist Lutz Widder den Übungseinsatz. „Deswegen proben wir mit ihnen regelmäßig unter unterschiedlichen Bedingungen den Ernstfall.“

 

 

 

Innerhalb von weniger als zehn Minuten brauchte die fünfjährige deutsche Schäferhündin „Zenter von der Salztalhöhe“, um die Tatwaffe zu finden. Das Team Widder und Grupe legen dabei gegenseitig Köder aus, damit der andere nicht weiß, wo etwas versteckt ist und den Hund intensiv beobachten kann. Dass sie das blutverschmierte Messer erkannt hat, zeigte Zenter mit lautem Kläffen an. „So macht sie es richtig“, berichtet Hundeführerin Anja Grupe. „Zenter ist auf die Leichensuche spezialisiert und muss einen Fund mit Bellen oder Kratzen anzeigen.“ Die aufmerksame Hundedame erkennt Blut in allen Verwesungsstadien.

 

 

Bellen oder Kratzen darf Klette oder „Kassy“, wie Lutz Widder seine tierische Kollegin liebevoll nennt, hingegen nicht. Die belgische Schäferhündin soll TNT im Kraftwerk suchen und zeigt schon nach kurzer Zeit an einer Maschine sowie an den Spinten der Mitarbeiter ihren Erfolg durch leises Verharren an. „Es ist ganz wichtig, dass die Hunde uneingeschränktes Vertrauen zum Hundeführer haben und mit Erfolg belohnt werden, damit bei einer Bombendrohung, bei der Rauschgift- oder Leichensuche alles wie am Schnürchen läuft“, so Lutz Widder.

 

 

Nicht jeder Hund ist als Polizeihund geeignet: bei einer mehrtägigen Suche nach einem Vermissten muss der Hund auch damit zurechtkommen, dass seine Suche nicht von Erfolg gekrönt ist. Daher müssen angehende Polizeihunde von Natur aus mehr Spieltrieb und Ehrgeiz mitbringen. Ihre Ausbildung dauert drei Monate, danach bilden sie mit ihren Hundeführern ein eingeschworenes Team. „Zuhause ist Zenter ein richtiger Familienhund und spielt am liebsten mit meiner Tochter“, berichtet Anja Grupe lachend. „Wir gehen nicht nur zusammen zur Arbeit, sondern leben zusammen.“

 

 

 

Auch in den nächsten Wochen sind noch weitere Einsätze mit verschiedenen Schnüffelspezialisten der Polizeihundestaffel in der Umformstation in der Breiten Gasse sowie im Heizkraftwerk Gotha-West geplant. Mitarbeiter Bernd Bodlin: „ An so einem Arbeitsplatz im Kraftwerk ist es schon ein gutes Gefühl zu wissen, dass im Ernstfall alle eng zusammenarbeiten und echte Profis am Werk sind!“


Kein Mädchenbonus – Ayleen Grünzig lernt Anlagenmechanikerin in einer Männerdomäne

Veröffentlicht: 08.10.2012

Gotha. Fräsen, Bohren, Sägen, Schweißen zählen im Allgemeinen zu den Tätigkeiten, um die sich schon im zarten Jugendalter wohl eher die Jungen reißen. Auch Wasserversorgung, Energietechnik und Kühl- und Heizsysteme gehören zu den Stichworten, die vorwiegend männliche Schulabgänger zu den interessanten Aspekten ihres gewünschten Ausbildungsberufes zählen. Soviel zu den Klischees – denn die befinden sich ohnehin gerade im Umbruch. Wo junge Männer Kindergärtner und Friseur werden, schauen sich auch immer mehr Mädchen außerhalb der typischen Berufswege um.

 

Irgendwas mit Technik – so ähnlich war die Vorstellung, mit der Ayleen Grünzig vor einigen Jahren ihren beruflichen Weg beschritt. Mangels eines Ausbildungsplatzes entschied sie sich jedoch schließlich für das Angebot als Kinderpflegerin. Doch richtig heimisch fühlte sie sich in diesem Beruf nicht. Nach ihrem Abschluss jobbte sie ein Jahr, bis sie jetzt endlich eine Chance erhielt. Nach einem zweimonatigen Praktikum bei den Fernwärmestadtwerken Gotha bot man ihr dort eine Ausbildung zur Anlagenmechanikerin für Klima, Heizung und Sanitär an. Dreieinhalb Jahre, in denen sie neben der mechanischen Werkstoffverarbeitung auch im Servicebereich jede Menge lernen wird.

 

Ausbilder Steffen Neuland ist selbst mit Leib und Seele Servicemonteur – er besucht jede Woche seine insgesamt drei Schützlinge, die zur Zeit im VHS-Bildungswerk fleißig sägen, bohren und feilen. Grundlagen, wie sie in jedem Ausbildungsberuf wichtig sind, lernen die angehenden Monteure der Fernwärme über den Firmenausbildungsverbund. Ab Mitte Oktober nimmt der Ausbilder seine Schützlinge wieder zu sich, um ihnen während der Ferien die ersten firmenspezifischen Grundlagen bei Wartungsarbeiten, Trassenverlegungen oder Reparaturen zu zeigen. „Ayleen ist in unserem Metier ein kleines Novum“, gibt der Ausbilder lachend zu. „Auch für die Kunden ist es eine ziemliche Überraschung, wenn plötzlich ein weiblicher Servicemonteur zur Wartung kommt.“ Einen Mädchenbonus hat die 20-jährige nicht, berichtet er. „Die körperlichen Anstrengungen muss sie mit Köpfchen und Technik bewältigen – dabei ist sie handwerklich sehr geschickt und packt ohne zu zögern mit an, wo Not am Mann ist“, lobt der Ausbilder seinen Schützling.

 

Im typischen Blaumann an der Werkbank fühlt sich die junge Frau sichtlich wohl. „Schon im Praktikum durfte ich die Umbaumaßnahmen für die Trassenreparaturen mit vorbereiten und bei Wartungsaufträgen dabei sein. Am meisten fasziniert mich aber das Schweißen“, erzählt die angehende Mechanikerin. Auch die Kollegen bei der Fernwärme und in der Schule hätten sie freundlich und ohne Vorurteile aufgenommen.

 

Mit ihrem technischen Interesse ist sie gleichzeitig Wegbereiter, um die Akzeptanz von Mädchen in diesem Beruf zu fördern. „Ayleens Ausbildung zeigt nicht nur uns, dass die Zeit für junge Frauen in typischen, handwerklichen Männerberufen da ist“, resümiert Elmar Burgard, Geschäftsführer der Fernwärme. „Wir hoffen, dass sie hier ihren Platz gefunden hat und in den nächsten Jahren mit ihrem Beispiel vielen anderen jungen Frauen Mut macht, sich nicht abwimmeln zu lassen, sondern ihren Weg in handwerklichen Berufen eifrig voranzuschreiten.“


Alles außer gewöhnlich – Erfurter Solarpark ermöglicht eigene Energieversorgung

Waltershausen/Erfurt. „Möge die Sonne immer scheinen“ – mit diesen Worten eröffnete am gestrigen Dienstag Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein  das Solar-Pilotprojekt am Vockenroder Weg. Worte, wie sie auch von Dr. Dieter Anton, Hermann Schoppe und Dieter Ortmann stammen könnten, unter deren Leitung unterhalb des Flughafens die erste Solar-und Ökosiedlung Thüringens entstand. Hier können zukünftig acht Einfamilienhäuser mithilfe der rund 8.200 Module ihre eigene Energie erzeugen und nutzen.

 

Außergewöhnlich war nicht nur die Idee selbst sondern auch das Zeitfenster: Zwei Wochen nach dem ersten Gespräch zwischen den beiden Investoren und dem Photovoltaikspezialisten aus Waltershausen begannen die Baumaßnahmen, denn mit dem 30. Juni rückte die Senkung der Solarförderung immer näher. 8.184 Module mussten auf der rund 4 Hektar großen Fläche montiert werden – allesamt Spezialanfertigungen, die verhindern sollen, dass der Flugverkehr beeinträchtigt wird.

 

 

 

 

Ausgeführt wurden die Arbeiten ausschließlich von Thüringer Firmen, die wiederum nur deutsche Produkte verwendeten. „Wir wollten zeigen, dass Qualität und Vertrauen Berge versetzen können“, erklärte Dieter Ortmann, Geschäftsführer von maxx-solar & energie aus Waltershausen das ungewöhnliche Vorgehen. Mit seinem Team ermöglichte er die Vorfinanzierung sowie die rasche Planung und Montage der Module. Insgesamt drei Millionen Euro kostete das Projekt – drei Millionen Euro, die lediglich per Handschlag besiegelt wurden. „So etwas findet man heute selten“, lobte Wirtschaftsminister Mathias Machnig die ungewöhnliche Verfahrensweise: „Es zeigt: Nur wenn sich die richtigen Menschen treffen, können solche Vorreiter-Projekte entstehen.“

 

Bei maximaler Sonneneinstrahlung liefert die Anlage circa zwei Megawatt Strom, die nicht nur 8 Einfamilienhäuser sondern bis zu 500 Erfurter Vier-Personen-Haushalte komplett mit Strom versorgen können. „Der Jahresbedarf wird hier mit etwa 130.000 kWh eingeschätzt. „Wir rechnen mit einem Überschuss von etwa 100.000 kWh pro Jahr“, schätzt Ortmann. Zur Stromspeicherung wird es Pufferbatterien geben. Sind diese voll, kann auch der Warmwasserspeicher elektrisch beheizt werden. „Damit das Ganze auch funktioniert, ist eine ausgefeilte Steuerung der Energieströme notwendig, um zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle die notwendige Energie zur Verfügung zu haben“, erläutert Baufachmann Hermann Schoppe die komplizierte und umfangreiche Planung.

Nach Fertigstellung soll die Siedlung weitestgehend energieautark sein. Strom, Gas oder Öl von außen wird es nicht geben. „Das ist ein kleiner Schritt für die Solarbranche, aber ein großer Schritt in Richtung Energiewende“, betont Dieter Ortmann. Nach Angaben der Baufachleute ist das Projekt in dieser Form bisher einmalig in Thüringen und soll als Vorbild für weitere derartige Siedlungen dienen.