Alles außer gewöhnlich – Erfurter Solarpark ermöglicht eigene Energieversorgung

Waltershausen/Erfurt. „Möge die Sonne immer scheinen“ – mit diesen Worten eröffnete am gestrigen Dienstag Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein  das Solar-Pilotprojekt am Vockenroder Weg. Worte, wie sie auch von Dr. Dieter Anton, Hermann Schoppe und Dieter Ortmann stammen könnten, unter deren Leitung unterhalb des Flughafens die erste Solar-und Ökosiedlung Thüringens entstand. Hier können zukünftig acht Einfamilienhäuser mithilfe der rund 8.200 Module ihre eigene Energie erzeugen und nutzen.

 

Außergewöhnlich war nicht nur die Idee selbst sondern auch das Zeitfenster: Zwei Wochen nach dem ersten Gespräch zwischen den beiden Investoren und dem Photovoltaikspezialisten aus Waltershausen begannen die Baumaßnahmen, denn mit dem 30. Juni rückte die Senkung der Solarförderung immer näher. 8.184 Module mussten auf der rund 4 Hektar großen Fläche montiert werden – allesamt Spezialanfertigungen, die verhindern sollen, dass der Flugverkehr beeinträchtigt wird.

 

 

 

 

Ausgeführt wurden die Arbeiten ausschließlich von Thüringer Firmen, die wiederum nur deutsche Produkte verwendeten. „Wir wollten zeigen, dass Qualität und Vertrauen Berge versetzen können“, erklärte Dieter Ortmann, Geschäftsführer von maxx-solar & energie aus Waltershausen das ungewöhnliche Vorgehen. Mit seinem Team ermöglichte er die Vorfinanzierung sowie die rasche Planung und Montage der Module. Insgesamt drei Millionen Euro kostete das Projekt – drei Millionen Euro, die lediglich per Handschlag besiegelt wurden. „So etwas findet man heute selten“, lobte Wirtschaftsminister Mathias Machnig die ungewöhnliche Verfahrensweise: „Es zeigt: Nur wenn sich die richtigen Menschen treffen, können solche Vorreiter-Projekte entstehen.“

 

Bei maximaler Sonneneinstrahlung liefert die Anlage circa zwei Megawatt Strom, die nicht nur 8 Einfamilienhäuser sondern bis zu 500 Erfurter Vier-Personen-Haushalte komplett mit Strom versorgen können. „Der Jahresbedarf wird hier mit etwa 130.000 kWh eingeschätzt. „Wir rechnen mit einem Überschuss von etwa 100.000 kWh pro Jahr“, schätzt Ortmann. Zur Stromspeicherung wird es Pufferbatterien geben. Sind diese voll, kann auch der Warmwasserspeicher elektrisch beheizt werden. „Damit das Ganze auch funktioniert, ist eine ausgefeilte Steuerung der Energieströme notwendig, um zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle die notwendige Energie zur Verfügung zu haben“, erläutert Baufachmann Hermann Schoppe die komplizierte und umfangreiche Planung.

Nach Fertigstellung soll die Siedlung weitestgehend energieautark sein. Strom, Gas oder Öl von außen wird es nicht geben. „Das ist ein kleiner Schritt für die Solarbranche, aber ein großer Schritt in Richtung Energiewende“, betont Dieter Ortmann. Nach Angaben der Baufachleute ist das Projekt in dieser Form bisher einmalig in Thüringen und soll als Vorbild für weitere derartige Siedlungen dienen.