Kein Mädchenbonus – Ayleen Grünzig lernt Anlagenmechanikerin in einer Männerdomäne

Gotha. Fräsen, Bohren, Sägen, Schweißen zählen im Allgemeinen zu den Tätigkeiten, um die sich schon im zarten Jugendalter wohl eher die Jungen reißen. Auch Wasserversorgung, Energietechnik und Kühl- und Heizsysteme gehören zu den Stichworten, die vorwiegend männliche Schulabgänger zu den interessanten Aspekten ihres gewünschten Ausbildungsberufes zählen. Soviel zu den Klischees – denn die befinden sich ohnehin gerade im Umbruch. Wo junge Männer Kindergärtner und Friseur werden, schauen sich auch immer mehr Mädchen außerhalb der typischen Berufswege um.

 

Irgendwas mit Technik – so ähnlich war die Vorstellung, mit der Ayleen Grünzig vor einigen Jahren ihren beruflichen Weg beschritt. Mangels eines Ausbildungsplatzes entschied sie sich jedoch schließlich für das Angebot als Kinderpflegerin. Doch richtig heimisch fühlte sie sich in diesem Beruf nicht. Nach ihrem Abschluss jobbte sie ein Jahr, bis sie jetzt endlich eine Chance erhielt. Nach einem zweimonatigen Praktikum bei den Fernwärmestadtwerken Gotha bot man ihr dort eine Ausbildung zur Anlagenmechanikerin für Klima, Heizung und Sanitär an. Dreieinhalb Jahre, in denen sie neben der mechanischen Werkstoffverarbeitung auch im Servicebereich jede Menge lernen wird.

 

Ausbilder Steffen Neuland ist selbst mit Leib und Seele Servicemonteur – er besucht jede Woche seine insgesamt drei Schützlinge, die zur Zeit im VHS-Bildungswerk fleißig sägen, bohren und feilen. Grundlagen, wie sie in jedem Ausbildungsberuf wichtig sind, lernen die angehenden Monteure der Fernwärme über den Firmenausbildungsverbund. Ab Mitte Oktober nimmt der Ausbilder seine Schützlinge wieder zu sich, um ihnen während der Ferien die ersten firmenspezifischen Grundlagen bei Wartungsarbeiten, Trassenverlegungen oder Reparaturen zu zeigen. „Ayleen ist in unserem Metier ein kleines Novum“, gibt der Ausbilder lachend zu. „Auch für die Kunden ist es eine ziemliche Überraschung, wenn plötzlich ein weiblicher Servicemonteur zur Wartung kommt.“ Einen Mädchenbonus hat die 20-jährige nicht, berichtet er. „Die körperlichen Anstrengungen muss sie mit Köpfchen und Technik bewältigen – dabei ist sie handwerklich sehr geschickt und packt ohne zu zögern mit an, wo Not am Mann ist“, lobt der Ausbilder seinen Schützling.

 

Im typischen Blaumann an der Werkbank fühlt sich die junge Frau sichtlich wohl. „Schon im Praktikum durfte ich die Umbaumaßnahmen für die Trassenreparaturen mit vorbereiten und bei Wartungsaufträgen dabei sein. Am meisten fasziniert mich aber das Schweißen“, erzählt die angehende Mechanikerin. Auch die Kollegen bei der Fernwärme und in der Schule hätten sie freundlich und ohne Vorurteile aufgenommen.

 

Mit ihrem technischen Interesse ist sie gleichzeitig Wegbereiter, um die Akzeptanz von Mädchen in diesem Beruf zu fördern. „Ayleens Ausbildung zeigt nicht nur uns, dass die Zeit für junge Frauen in typischen, handwerklichen Männerberufen da ist“, resümiert Elmar Burgard, Geschäftsführer der Fernwärme. „Wir hoffen, dass sie hier ihren Platz gefunden hat und in den nächsten Jahren mit ihrem Beispiel vielen anderen jungen Frauen Mut macht, sich nicht abwimmeln zu lassen, sondern ihren Weg in handwerklichen Berufen eifrig voranzuschreiten.“